Wann kam die erste Nachtigall darauf,
ihr Lied um ein paar Dezibel aufzudrehn?
War es, als sie merkte, dass man hier,
im Finsterland des Münsterlands,
Lärmschutzwälle baute, um den Lärm
zu schützen vor ihr, ihrem Gesang?
Was brachte den ersten Buchfink dazu,
seinen Erstschlag eine halbe Stunde eher auszuführn?
Weil er unbedingt sein Solo haben wollte
im Morgendämmern? Weil die Gischtflocken
der Verkehrsgeräusche immer früher
herüberwehten in den Treptower Park?
Welchem Impuls folgte die erste Kohlmeise,
ihren Balzgesang um eine Oktave hochzufahrn?
Weil ihre akustischen Studien ergaben, dass
eine höhere Tonfrequenz das Dickicht des
Krachs am Kamener Kreuz eher durchdringt
um am Ende doch erhört zu werden?
Wann wurde das erste Rotkehlchen zum
Nachtschwärmer? Wie lernten die Amseln Dialekte?
Fragen über Fragen. Und Forscher, die sich
aufplustern, schmettern, zwitschern, tirilieren
von Lichtverirrung, Lärmverseuchung. Wo doch
alles in einem einzigen Lehrsatz gesagt wäre:
Schreien muss man in dieser Welt. Schreien.
Oder wenigstens hässlich dazwischen rätschen.
Wie dieser Eichelhäher da.