Hellmuth Opitz
Hellmuth Opitz

Kann man dein Hemd auch leiser stellen,


Kann man dein Hemd auch leiser stellen,
fragt mich mein Kopfschmerz und er hat Recht:

Es schwärmt von Südsee, wirft Blumenkränze
vom Balkon, kräht schrill sein Aloha ins erste

Lichtgeflüster dieses Sonntags – so pflückt es sich
den Schlaf von meinen Schläfen. Aber ja doch:

Ich könnte diesen unbenutzten Morgen auch anders
begehen: ihn betreten wie eine Hotelsuite, still

das Mobiliar bestaunend, den frisch gestrichenen
Wolkenstuck, den knöcheltiefen Teppich weicher

Vogelstimmen. Ich könnte Gott loben bei der
Betrachtung einer Himmelsbügelfalte, wie man

den Zimmerservice lobt bei der Entdeckung
des Sorgfaltkniffs im Toilettenpapier.

Ich könnte das alles, würden nicht dauernd
Kolibris von meinen Knopf- und Kragenleisten
in die Frühe spritzen wie bunter Tau, wäre da
nicht das fiese Fiepen des Schädelverstärkers
und die lösliche Sonne, die in den Tag aufsteigt,
viel zu langsam für eine Schmerztablette.

Aus dem Gedichtband: „In diesen leuchtenden Bernsteinmomenten“
(Pendragon, 2017)